Einst das grosse Ragazer Bibelquiz ...

... heute grundlegende Kritik an Gott, Bibel und Christentum.


Deschner - Der gefälschte Glaube
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Das Ragazer Bibelquiz umfasste bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2008 insgesamt 1'109 Fragen. 29'495 Teilnehmer beantworteten 953'340 Fragen. Nebst vielen weiteren Bibelrätseln fanden sich hier auch über 500 Sudokus.
Heute ...
... stehen unverkennbar keine (Bibel-)Rätsel mehr zur Verfügung.
Stattdessen finden Sie hier nun manches Interessante und auch Erschreckende über Gott und Bibel, über Religion und Glaube, Dinge, die Kirchen und ihre Diener verschweigen und Gläubige meist nicht wissen (wollen).
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Diese Seite wurde am 23.12.2012 letzmals aktualisiert.

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Vom Beten

'Bittet, so wird euch gegeben!', heisst es in der Bibel. Millionen gläubiger Menschen sind felsenfest davon überzeugt, dass ihr Gott, so wie von Jesus versprochen, Bittgebete erhört und in den natürlichen Lauf der Ereignisse eingreift, also kleine oder grosse Wunder wirkt.

So hilft dieser Gott verständnisvoll, verlorene Autoschlüssel oder einen Parkplatz in der überfüllten Innenstadt zu finden und verwandelt die schwere Krankheit in eine harmlose Magen-Darm-Grippe. uf entsprechende Bitten hin beschützt er genau so Haus und Hof vor Dieben und bewahrt auch die Kinder auf dem Schulweg vor Rasern und Entführern. Und nebst vielem anderem lässt er auch noch den eigenen Fussballclub in letzter Sekunde das Siegestor schiessen.

Verweilen wir kurz beim letzten Beispiel: Haben Sie sich auch schon gefragt, was denn geschähe, wenn jemand genau so intensiv für die gegnerische Elf beten würde wie Sie für die Ihre? Natürlich ist das eine rein hypothetische Frage, denn wer betet schon für den Gegner? Aber trotzdem, was meinen Sie, wie würde sich Gott in so einem Fall entscheiden?

Wie auch immer, Gott lässt für seine Gläubigen tagein, tagaus wunderbare Dinge geschehen. Dinge übrigens, die - nüchtern betrachtet - wohl in allen Fällen mit ganz natürlichen Ursachen erklärbar sind und überall auf der Welt zuhauf geschehen, ohne dass dafür ein wie auch immer gearteter Gott eingreifen muss.

Bösartiger Zynismus

Aber Hand aufs Herz: Was ist das denn für ein infamer Gott, der sich zwar bereitwillig und absolut zuverlässig um verlorene Schlüssel und andere Belanglosigkeiten des Alltags kümmert, jedoch jeden Tag 20'000 (Angabe UNICEF) und damit jährlich über sieben Millionen unschuldige Kinder verhungern lässt?

Anders gefragt: Ist es nicht überaus zynisch, wenn Gläubige, denen es hierzulande sehr gut geht, die in grossem Überfluss leben, wenn also solche Gläubige ihrem Gott für "Speis und Trank" danken - und dabei völlig ausser Acht lassen, dass es ein und derselbe Gott ist, der offenbar im Umkehrschluss Millionen von unschuldigen Kindern Nahrung verweigert?

Können Sie sich vorstellen, was ein hungerleidendes Kind oder dessen Eltern empfände, vernähme es ein solches Tischgebet eines gläubigen Europäers:
O Gott, von dem wir alles haben,
wir danken dir für diese Gaben.
Du speisest uns, weil du uns liebst.
O segne auch, was du uns gibst.
"Du speisest uns, weil du uns liebst." ... Ein Gott also, der die Reichen liebt und ihnen Überfluss beschert - und daneben sie, die augenscheinlich ungeliebten Armen, die er elendiglich verhungern lässt. Welch unbeschreiblicher Zynismus, welch menschenverachtender Egoismus steckt allein in diesen wenigen Worten eines vermeintlich schlichten Dankgebetes!

Wenn's um was geht, schaut er mit Sicherheit weg!

Aber Gott lässt nicht nur Millionen Menschen mit ihrem Hunger allein. Bei allen drängenden grossen Schwierigkeiten und Problemen dieser Welt schaut er, der angeblich gütige und allmächtige Gott, geflissentlich weg und lässt die Menschen in ihrer Not und Verzweiflung alleine.

Ach, Sie meinen, so sei das nicht? Nun, wo war der liebe Gott denn, als Millionen Menschen in Lagern vergast, erschossen oder erhängt und Kinder und Eltern in manchen Fällen zuschauen Wo war dieser Gott, als vielhundertausendfache Hilfeschreie zu seinem Thron gelangten?

Wo war und ist dieser Gott, wenn Tsunamis und Erdbeben, Überflutungen und andere verheerende Katastrophen Abertausende Menschenleben forderten und immer wieder fordern? Wo war und ist dieser Gott, wenn täglich unzählige Menschen unsägliche Schmerzen ertragen müssen und an unheilbaren Krankheiten sterben oder von schrecklichen Seuchen dahingerafft werden?

Wo ist dieser Gott, wenn grausame, nicht selten religiös motivierte Bürger- und andere Kriege Millionen von Opfern kosten und entsetzliche Amokläufe und Terroranschläge ganze Nationen in Trauer und Angst versetzen?

Die Reihe schrecklicher Ereignisse, grosser Not und Leiden und himmelschreiender Ungerechtigkeiten etc. könnte beliebig fortgesetzt werden. Und immer müsste man sich fragen: Wo war Gott, als ...?

Eines kann hier festgehalten werden: Das Sprichwort "Hilft er nicht zu jeder Frist, hilft er doch wenn's nötig ist" ist ein Lüge. Genau dann, wenn's am Nötigsten wäre, genau dann nämlich ist er wohl gerade intensiv damit beschäftigt, jemandens verlorene Schlüssel zu suchen oder er macht ein Gesundheitsschläfchen.

Egal in welch katastrophalen Verhältnissen Gott die Menschen im Stich lässt, Gläubige haben für das völlige Gottversagen immer eine scheinbar plausible Erklärung parat. Der hochangesehene Religionsphilosoph Richard Swinburne beispielsweise erklärt in kaum zu toppender Menschenverachtung in einer Diskussion für das britische Fernsehen, der Holocaust habe den Juden eine großartige Gelegenheit verschafft, sich als mutig und edel zu erweisen. (nach Dawkins, 'Gotteswahn').

Warum das Matterhorn nicht vor den Toren Shanghais steht

Trotz unübersehbarem Versagen ihres Gottes klammern sich Gläubige weiter unbeirrt an das 'Bittet, so wird euch gegeben!'. Jesus war da weiser: Er wusste wohl aus eigener Erfahrung, dass entgegen seinem Versprechen die Bitten der Gläubigen nicht erfüllt werden würden. Daher relativierte er seine Zusagen, indem er den Jüngern sagte: 'Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben; und euch wird nichts unmöglich sein.'

Daher ist Gott seit jener Zeit fein aus dem Schneider. Bleiben Bitten unerfüllt (was unverkennbar der Normalfall ist), dann ist daran ausschliesslich der fehlende Glaube der Betenden schuld.

Deshalb sind, um bei diesem anschaulichen Beispiel zu bleiben, alle Berge noch dort, wo sie seit ihrer plattentecktonisch verursachten Auffaltung seit Jahrmillionen stehen. Na ja, es wäre ja auch stark gewöhnungsbedürftig, wenn die berühmte Annapurna am Morgen in der Sahara und abends mitten in San Francisco stände oder uns Schweizern unser weltbekanntes Matterhorn von einem gläubigen Chinesen einfach vor die Tore Shanghais weggebetet/weggeglaubt würde, nicht wahr?

Damit nicht gleich so auffällt, dass es offenbar allen Gläubigen noch am notwendigen Glauben fehlt, haben findige Theologen flugs diese Jesuworte dahingehend uminterpretiert, dass der Gottessohn natürlich niemals reale Berge, sondern bestimmt nur Sorgenberge gemeint haben kann.

Hat Gott sich in den Strassen Lissabons verirrt?

Das mit den Gebetserhörungen und den Wundern Gottes ist sowieso so eine Sache.

Viele Menschen betrachten es als besondere Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet am 1. November 1755, also einem Allerheiligen, im streng gläubigen Portugal grosse Teile der Hauptstadt Lissabon durch ein fürchterliches Erdbeben und dem dadurch ausgelösten Tsunami zerstört wurden. Zigtausende Menschen starben allein in Lissabon.

Derweil unzählige Menschen in den zum Bersten vollen Kirchen Opfer der Naturgewalten und der ausgebrochenen Feuer wurden, blieb ausgerechnet der lasterhafte Rotlichtbezirk Lissabons, die Alfama, auf wunderbare Weise verschont.

Hat sich Gott da etwa in den Strassen Lissabons verirrt und den falschen Stadtteil bewahrt? Oder haben ein paar der Damen des horizontalen Gewerbes Gott mit ihren Reizen dermassen um den Finger gewickelt, dass er weder Augen noch Ohren hatte für das Flehen der anderen? Oder könnte es gar sein, dass dieser Gott ausgerechnet an diesem Tag sehr viel Wichtigeres zu tun hatte als Naturkatastrophen oder wenigstens deren schrecklichen Folgen zu verhindern?

Das völlige Versagen Gottes gerade in den vielen wichtigen Dingen, den wirklich grossen Nöten und Leiden der Menschen, lässt nur den einen Schluss zu: Gott erhört keine Gebete! Glücklicherweise, so muss man gerade auch in Anbetracht des Folgenden sagen, ist das so.

Gott wird als Mordwaffe instrumentalisiert

Stellen Sie sich nur einmal vor, was wäre, wenn Gott die Gebete des amerikanischen Baptistenpredigers Wiley Drake erhören würde.

Drake schickt nämlich keine wirklich netten Bitten vor den Thron des Allerhöchsten. Nein, er betet vielmehr seit Jahren für den Tod nicht nur des aktuellen US-Präsidenten Barack Obama, sondern auch für den Tod hunderter demokratischer Kongressabgeordneter und vieler weiterer Menschen, die seine fundamentalistisch-religiösen Ideologien nicht teilen.

Drake macht aus diesen seinen überaus fragwürdigen Verhalten auch kein Geheimnis, sondern teilt dies der Welt ungeniert mit. So scheute er 2009 nach der Ermordung des Abtreibungsarztes George Tiller denn auch nicht davor zurück, dessen Tod mit Genugtuung als die Folge seiner, also Drakes, "Todesgebete" zu proklamieren ...

Bestimmt werden Sie jetzt entrüstet einwenden: "Gott funktioniert nicht wie ein Automat, man kann doch nicht oben ein Gebet einwerfen und unten kommt dann das Erbetene raus. Nein, so geht das selbstverständlich nicht, denn nicht unser, sondern ausschliesslich SEIN WILLE geschieht! Er wäre sonst ja nicht der Allmächtige."

So eine Aussage wirft natürlich die berechtigte Frage auf: Warum soll man denn überhaupt beten? Es geschieht ja sowieso und ausschliesslich Gottes Wille, egal ob gebetet wird oder nicht!

Warum Beten überflüssig ist

Beten und der Glaube an ein darauf folgendes Eingreifen Gottes in irgendwelche Geschehnisse und Verhältnisse wirft grundsätzlich die Frage nach der Allwissenheit und Allmacht Gottes auf.

Da Gott in den Augen der Gläubigen nämlich allwissend allwissend ist, dann weiss er seit je, in welcher Situation wir Menschlein uns am Tag X befinden und ob und wann welche Hilfe er uns zuteil werden lässt.

Was immer also Herr Meier oder Frau Müller von Gott erbitten, ihr Gebet ist absolut überflüssig. Erstens kannte Gott ihre Verhältniss seit je und sie, die Bittenden, bekommen ohnehin nur, was Gott seit je für sie vorgesehen hat, kein bisschen mehr und auch kein bisschen weniger.

Wissenschaftlich erwiesen: Beten schadet mehr als es nützt!

Dass Beten tatsächlich nicht hilft, wies schon der britische Forscher Sir Francis Galton (1822 - 1911) mit umfangreichem statistischem Material nach. Für seine Arbeit 'Statistische Untersuchungen über die Wirksamkeit von Gebeten' sammelte und wertete Galton eine Unmenge von Daten aus. Er verglich z.B. die Lebenserwartung von Mitgliedern des Königshauses mit derjenigen von Adligen, Geistlichen, Ärzten und anderen Berufsgruppen. Die Royals müssten, so sagte sich Galton, weitaus am längsten leben, schliesslich betete das ganze Volk regelmässig für deren Gesundheit und ein langes Leben für sie.

Das Resultat war ernüchternd: Von allen untersuchten Gruppen hatten ausgerechnet die Royals die kürzeste Lebenserwartung! Aber nicht nur das: Galton wies unter anderem auch nach, dass Schiffe von christlichen Missionaren genau so oft sinken wie diejenigen von Sklavenhaltern, obschon auf ersteren und für erstere bestimmt sehr viel mehr gebetet wurde.

Enttäuschend für Geld- und Auftraggeber, die John Templeton Foundation aus Philadelphia, war auch das Ergebnis einer breit angelegten medizinischen Studie, deren Ergebnisse 2006 im renommierten American Heart Journal veröffentlicht wurden. Eigentlich hätte diese Studie die Wirksamkeit von Gebeten für die Gesundung von Patienten belegen sollen - eine Wirkung also, die allerorten von Gläubigen behauptet wird.

In der Studie wurden von der Forschergruppe um den Kardiologen Charles Bethea vom Integris Baptist Medical Center in Oklahoma City in sechs Krankenhäusern die Fälle von 1802 Patienten mit Bypass-Operation untersucht. Für etwa einen Drittel der Patienten wurde nicht gebetet, für die restlichen zwei Drittel dagegen liessen die Forscher Gläubige für eine erfolgreiche Operation und eine schnelle, komplikationsfreie Genesung beten. Die Hälfte derjenigen, für die gebetet wurde, wusste um die Fürbitten für sie, die andere Hälfte dagegen wusste nichts davon.

Das enttäuschende Resultat: Ausgerechnet bei den rund 600 Patienten, für die überhaupt nicht gebetet wurde, traten am wenigsten Komplikationen auf! Klare Verliererin mit einem statistisch signifikanten Resultat war die Gruppe, deren Mitglieder wussten, dass für sie gebetet wurde. In dieser Gruppe traten überdurchschnittlich viele Komplikationen auf.

Swinburne: Genügend Belege für Gottes Existenz??

Der in theologischen Kreisen berühmte britische Religionsphilosoph Richard Swinburne fand für das Misslingen dieses Gebetsexperiments eine geradezu genial dumme Erklärung: Wenn Gott seine eigene Existenz unter Beweis stellen wollte, würde er dazu bessere Wege finden als eine geringfügig verschobene Genesungsstatistik für Herzpatienten in experimenteller Gruppe und Kontrollgruppe. [...] Es gibt für Gottes Existenz ohnehin genügend Belege und zu viel wäre für uns vielleicht nicht gut." (zitiert nach R. Dawkins, Gotteswahn, 2007)

Aha, das ist aber doch sehr überraschend! Sollte man Swinburnes Aussage etwa dahin gehend verstehen dürfen oder gar müssen, dass er nun in der Lage ist, Gott zweifelsfrei zu beweisen? Das wäre die grösste Sensation aller Zeiten ...

Freuen Sie sich nicht zu früh: Die Wahrscheinlichkeit dafür ist verschwindend gering. Bis heute hat es nämlich auch dieser weltbekannte Swinburne mit seinem probabilistischen, an einen Indizienprozess erinnernden Beweisverfahren nicht einmal geschafft, die Existenz Gottes halbwegs plausibel zu machen, geschweige denn, Belege (d.h. Fakten, Beweise, Beweisstücke) für Gottes Existenz zu liefern und damit Gott endlich zu beweisen. Bei Swinburne ist Gott bestenfalls ein Indiziengott ...

Swinburne ignoriert bei seiner "Beweisführung" übrigens wie alle anderen Apologeten, dass er auf Voraussetzungen abstützen muss, die er nicht beweisen kann. Er setzt also bereits Glauben voraus, um zu beweisen, was er glaubt ... Üblicherweise würde man so was als Zirkelschluss bezeichnen, bei einem so hoch angesehenen Religionsphilosophen wie Swinburne darf man jedoch so was nicht einmal denken.

Beten fürs Gemüt

Und so bleibt denn für das Gebet nicht viel mehr übrig, als schon der große deutsche Philosoph Immanuel Kant vor rund 200 Jahren zu sagen wusste: "Das Gebet kann keinen objektiven Erfolg, sondern nur eine subjektive Rückwirkung haben, nämlich Beruhigung und Aufrichtung des Gemüts." Das aber auch, das sei an dieser Stelle ergänzt, nur dann, wenn jemand unbeirrt an die doch überaus zweifelhafte, nur behauptete und nie bewiesene Erhörung von Gebeten glaubt.

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